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ERNTEDANKFEST


erntedankfest

Wir feiern die Ernte!

Wenn sich die Blätter färben und sich die Äste der Obstbäume unter der Last der reifen Früchte biegen, dann ist bald Erntezeit. Nun werden Kartoffeln, Kohl und anderes Gemüse geerntet, die Felder werden abgemäht, bevor der erste Frost auftritt. Besonders für unsere Vorfahren war es wichtig, dass die Ernte reich ausfiel, damit sie bis ins Frühjahr hinein ausreichte. Seit die Menschen Ackerbau und Viehzucht betreiben, gehört das Erntedankfest daher zu den wichtigsten Festen im Jahres­kreis. Es ist ein Fest, das religiöse und jahreszeitliche Wurzeln miteinander verbindet und vermutlich in allen Kulturen der Erde eine große Rolle spielt.

Der Ursprung des Erntedankfestes reicht bis in vor­christliche Zeiten zurück. Die Griechen, Römer und Ägypter brachten in der Antike ihren Fruchtbarkeitsgöttern Opfer dar, während die Kelten im August ein Kornfest und zur Tagund­nachtgleiche am 23. September ein Weinfest feierten. Auch die Bibel erzählt in einer der ersten Geschichten davon, dass Kain Früchte des Feldes opferte und Abel Jungtiere seiner Herde. In der Kirche ist das Erntedankfest seit dem 3. Jahr­hundert belegt, doch gibt es aufgrund der unterschiedlichen Klima­zonen keinen weltweit einheitlichen Festtermin. Erst 1972 wurde für das Erntedankfest in Deutschland der erste Sonntag im Oktober festgelegt. In evangelischen Gemein­den fällt der Festtag auf den Michaelstag (29. September) oder den voran­gegangenen oder nachfolgenden Sonntag.

Früher wurde das Erntedankfest neben der kirchlichen Feier vor allem von opulenten Festessen und ausgelassenen Tänzen geprägt. Meist entstanden diese Feste durch die Gutsherren, die die Mägde und Knechte mit Erntebier und festlichem Essen bewirteten.

Aufgrund der Industrialisierung der Landwirtschaft ist heutzutage weniger Handarbeit erforder­lich, es werden nicht mehr so viele helfende Hände benötigt. Daher beschränken sich die Feierlichkeiten inzwischen haupt­sächlich auf die kirchliche Erntedankfeier, die in den Gottes­dienst integriert ist. Dennoch werden – vor allem in ländlichen Gegenden – Bräuche wie die Erntekrone oder der Erntekranz, der die Opfergaben symbolisiert, auch heute noch gepflegt. In vielen Gemeinden geht der Erntedank-Gottesdienst mit einer Solidaritätsaktion zugunsten hungernder Menschen einher.

Ursprünglich wurde der reichen Ernte gedankt, die das sichere Überleben im Winter bedeuteten. Heute bietet das Erntedankfest in erster Linie die Gelegen­heit, sich darüber bewusst zu werden, dass wir ein Teil der Natur sind, deren „Geschenke“ es zu würdigen gilt.