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ESSKULTUR


esskultur

Wie man is(s)t

Die Nahrungsaufnahme gehört wie auch Trinken und Schlafen zu den wichtigsten körperlichen Grundbedürfnissen des Menschen. Doch anders als das Tier hat der Mensch nicht nur eine vom Hunger ge­triebene, sondern auch eine ästhetische Beziehung zu dem, was er isst. Ging es dem frühgeschichtlichen "Jäger und Sammler" zunächst darum, durch Nahrungsaufnahme zu überleben, merkte der Mensch bald, dass Speisen durch besondere Zubereitung an Geschmack gewinnen. So lernte er mit der Zeit den Umgang mit Kräutern und Gewürzen. Aus den regionalen Gewohnheiten, die Nahrung zuzubereiten, entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Kochtraditionen. Erst seit der Austausch zwischen den Kulturen stattfindet, wurden auch die Kochkünste aus den unterschiedlichen Regionen in der ganzen Welt bekannt.

Was wir essen, wie wir essen, in welchen Zubereitungsformen und zu welchen Mahlzeiten, ist gesellschaftlich bedingt und in verschiedenen Kulturen unterschiedlich. Der einzelne Mensch steht vor der Entscheidung, welche Nahrung aus einem bestehenden Angebot er konsumieren möchte. Hierbei wird er von verschiedenen Faktoren der Esskultur beeinflusst. In ihrer historischen, sozial und regional unterschiedlichen Prägung ist die Esskultur abhängig von ernährungsphysiologischen Voraussetzungen, von ökonomischen und gesundheitlichen Überlegungen, von Gewohnheiten und dem persönlichen Geschmack. Entscheidend sind auch Bezugspersonen und das soziale Umfeld, häufig auch die Vermittlung eines bestimmten Schönheitsideals. Nicht zuletzt spielt das Statussymbol erlesener Speisen und Getränke eine wichtige Rolle.

Mit der Entscheidung, wie man sich ernährt, ordnet man sich anderen zu, is(s)t so wie sie. Damit is(s)t man auch gleichzeitig anders als andere, grenzt sich von ihnen ab. Essen ist also eine Grundlage der kulturellen und sozialen Identität.

Der Begriff Esskultur bezieht sich nicht nur auf die materielle Ebene der Dinge wie Lebensmittel (z.B. Äpfel) sondern auch auf die immaterielle Ebene der Gedanken und Gefühle wie z.B. Kenntnisse über die Zucht von Apfelsorten oder die Vorliebe für Apfelkuchen. Gemeint ist also das, womit Menschen aufwachsen, was sie umgibt, was ihr Alltagsleben und was somit selbstverständlich ist. Gewohntes Essen in vertrauter Atmosphäre gibt Menschen Sicherheit und das Gefühl von Zugehörigkeit. Im Gehirn werden die positiven Gefühle mit bestimmten Gerichten und Geschmacksrichtungen verknüpft. Diese Prägungen beginnen schon durch die Aufnahme von Aromastoffen im Mutterleib und gehen weiter über das Stillen und die familiäre Esskultur. So kommt es, dass Vorlieben und Abneigungen oft untrennbar mit Gefühlen und Erinnerungen aus der Kindheit assoziiert werden. Darüber hinaus lässt sich die individuelle Esskultur auch im Erwachsenenalter noch verändern. Neue Eindrücke (etwa aus fremden Esskulturen) oder das Bedürfnis, die Ernährung umzustellen, können die Essgewohnheiten beeinflussen.